Einbau von elektrischen Anlagen in Wohnmobile

Ein Wohnmobil ohne elektrische Anlagen ist nicht vorstellbar. Wie jedes Kraftfahrzeug hat ein Wohnmobil zunächst einmal eine heute meist komplexe 12 V oder 24 V-Fahrzeugelektrik und -elektronik. Hinzu kommt beim Wohnmobil für jeden Wohnbereich eine spezielle Bordelektrik, die in der Regel aus einer 220 V Niederspannungsanlage und einer 12 V-Kleinspannungsanlage besteht.

Gefahren der elektrischen Anlagen im Wohnmobil

Bei 220 V-Niederspannungsanlagen gibt es zwei Gefahren:

  • Gefahr lebensbedrohender Stromschläge bei Berührung spannungsführender Teile
  • Brandgefahr bei Kurzschlüssen oder Überlastungen von Leitungen, Anschlüssen bzw. Geräten

Bei 12 V-Kleinspannungsanlagen besteht nur die Brandgefahr, allerdings wegen der erheblich höheren Stromstärken in erhöhtem Maße.

In Wohnmobilen bekommen diese bekannten Gefahren durch die besondere Umgebungsbedingungen beim Campingbetrieb und die speziellen fahrzeugtechnischen Gegebenheiten eine verschärfte Bedeutung. Zu nennen sind in diesem Zusammenhang folgende Punkte:

  • Elektrische Stromschläge sind in Feucht- und Nassbereichen, wie sie in Campingplätzen gegeben sind. besonders gefährlich
  • 220 V-Anlagen in Fahrzeugen, die in weiten Bereichen aus leitenden Metallteilen bestehen
  • hohe mechanische Belastung von Leitungen, Verbindungen und Geräten durch Schwingungen und Erschütterungen des Fahrbetriebes
  • Anschluss der 220 V-Anlage über bewegliche Leitungen an Außenanschlüssen, deren sicherheitstechnische Ausrüstung nicht immer bekannt und oft mangelhaft ist
  • im Freien verlegte Leitungen sind besonders gefährdet (z.B. am Boden liegenden Leitungen durch Überfahren)
  • drei elektrische Netze (220 V-Anlagen sowie 12 V-Fahrzeug- und Bordnetzanlagen) mit unvermeidbaren Schnittstellen
  • Verbrauchsgeräte, die an Niederspannungs- wie Kleinspannungsnetz angeschlossen sind
  • Bordnetzbatteriebetrieb mit Lademöglichkeiten aus 220 V-Netz und 12 V-Netz
  • die üblicherweise direkte Verbindung des Fahrzeug-Kleinspannungsnetzes mit der Karosserie in Form des an Masse gelegten Minuspols der batterie und der Verbraucher
  • die oft räumliche Nähe zum Flüssiggasbereich (Explosions- und Brandgefahr durch elektrische Funkenbildung)
  • zu lange und zu dünne Aussenanschlußleitungen (über 25 m), die Schutzeinrichtungen wie FI-Schalter in den elektrischen Anlagen der Campingplätze unwirksam werden lassen können

Bei der Größe und Vielzahl der Gefahren im elektrischen Bereich einer Wohnmobil-Installation ist besondere Vorsicht in Hinblick auf Do-it-yourself angebracht. Der Selbstbauer muss über die Vorschriften und sicherheitstechnischen Grundsätze bescheid wissen und sollte vor allem bei der 220 V-Installation darüber hinaus von einem Fachmann begutachten lassen.

Sicherheitseinrichtungen im 220 V-Bereich

Die Gefahr Nummer 1, ein lebensgefährlicher Stromschlag, muss zunächst durch eine fachgerechte und sorgfältige Ausführung aller Anlagenteile im 220 V-Bereich begegnet werden. Kommt es dennoch einmal zu einem Unfall in Form von Berührung spannungsführender Teile mit Stromfluss durch den menschlichen Körper, so kann das Vorhandensein eines sogenannten Fehlerstrom-Schutzschalters (FI-Schalters) tödliche Stromeinwirkung verhindern.

Leider kann man sich nicht sicher sein, dass jede Camping-Anschlussstelle eine solche funktionierende Sicherheitseinrichtung hat (vor allem im Ausland). Es ist deshalb sinnvoll, im Eingangsbereich der Wohnmobil-220 V-Anlage einen hoch empfindlichen FI-Schalter zu installieren. Solche Schalter sind im einschlägigen Handel und bei Wohnmobilausstattern zu kaufen. Zu achten ist dabei auf die Angabe des sogenannten Nennfehler-Stroms in der Aufschrift. Sie sollte höchstens bei 0,03 A (30mA) liegen.

Der FI-Schalter im Wohnmobil sichert natürlich nur den hinter ihm liegenden Teil im Wohnmobil. Der nach der Unfallstatistik besonders gefährliche Bereich der außenliegenden beweglichen Anschlussleitung kann nur durch einen FI-Schalter im Platz/Gebäudeanschlussbereich gesichert werden. Wer hier wirklich auf Nummer sicher gehen will, kann am Anfang des Anschlusskabels zusätzlich einen steckbaren Fehlerstrom-Schutzschalter verwenden. Wichtig ist, dass die Prüftaste der FI-Schalter regelmäßig betätigt wird, damit die Schutzfunktion in jedem Fall gewährleistet bleibt.

Von großer- meist unterschätzter – sicherheitstechnischer Bedeutung ist die außenliegende 220 V-Anschlussleitung zum Wohnmobil. Die häufig verwendeten Leitungen mit PVC-Kunststoffisolierung sind wegen der Witterungseinflüsse für außen nicht geeignet. Richtig sind Gummischlauchleitungen des Typs H07 RN-F sowie spezielle Kunststoffschlauchleitungen mit Polyurethan-Mantel des Typs NGMH 11 Yö. Zu lange und zu dünne Leitungen führen zu erhöhten Widerständen.In den VDE-Bestimmungen für Caravan Anschlussleitungen ist deshalb eine Maximallänge von 25 Metern bei einem Leitungsquerschnitt von 2,5 mm2 vorgeschrieben. Diese Maße sollten unbedingt eingehalten werden.

Die Wahl des richtigen 220 V-Leitungsmaterials im Wohnmobil hat ebenfalls sicherheitstechnische Bedeutung. Wegen der im Fahrbetrieb auftretenden Erschütterungen dürfen grundsätzlich keine Leitungen mit massiven Leitern verwendet werden. Vorgeschrieben ist die Verwendung von Gummischlauchleitung Typ H07 RN-F oder in Rohr verlegte Einzeladerleitung.

Für die Sicherheit gegen Brandgefahr durch Kurschluss und Überlastung kommt es auf die richtige Absicherung der Stromkreise an. Die elektrischen Leitungen in Wohnmobilen sind im Sommer Temperaturen von 40 °C oder mehr ausgesetzt. Bei solchen Temperaturen ist die Belastbarkeit der Leitungen geringer und dies muss bei der Absicherung berücksichtigt werden.

Generell für die Sicherheit wichtig ist natürlich, dass alle Einrichtungen und insbesondere Leitungen der 220 V-Anlage gegen mechanische Beschädigungen geschützt installiert werden müssen, d.h. solche Einrichtungen müssen vor allem in Staukästen, Schränken usw. verkleidet bzw. abgedeckt werden.

Sicherheitsmaßnahmen im 12 V-Strombereich in Wohnmobilen und Wohnwagen

Zunächst muss sichergestellt sein, dass keine 220 V-Spannung bei Netzbetrieb in das 12 V-Bordnetz gelangen kann. Einwandfreie Trennung der Netze ist deshalb oberstes Gebot. Dem dient z.B. die Vorschrift, dass 220 V- und 12 V-Leitungen nicht zusammen verlegt werden dürfen. Um in jedem Fall Verwechslungen zwischen 220 V- und 12 V-Leitungen zu vermeiden, ist auf sorgfältige farbliche Unterscheidung der Leitungen zu achten.

Gegen die bei 12 V-Anlagen vorhandene Brandgefahr müssen vor allem Sicherungen installiert werden. Dabei kommt es darauf an, dass die einzelnen Stromkreise getrennt und mit der richtigen Sicherung abgesichert werden. Im Handel stehen Sicherungsautomaten und Schmelzsicherungen zur Verfügung. Stärke der Sicherungen, Leitungsquerschnitte bzw. – längen und Stromaufnahme der Verbrauchsgeräte müssen in richtigem Verhältnis zueinander stehen. Für den Zusammenhang zwischen Sicherungsstärken und Leitungsquerschnitten gelten bei 12 V-Anlagen folgende Werte:

bis 10 A bei 1,5 mm2
bis 16 A bei 2,5 mm2
bis 20 A bei 4,0 mm2
bis 25 A bei 6,0 mm2
bis 36 A bei 10,0 mm2
bis 50 A bei 16,0 mm2

Besonders wichtig ist der Schutz vor Kurzschlüssen bei Batterien und deren Zuleitungen. Nicht selten wird dieser Kurzschlussschutz beim nachträglichen Einbau von zusätzlichen Bordnetz-Batterien vernachlässigt. Das ist gefährlich, weil die großen Kurzschlussströme der Batterien auch relativ dicke Leitungen in kurzer Zeit zum Glühen oder Durchschmelzen bringen können.

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